Wie die meisten Touristen haben wir uns auch diese Frage gestellt. Einen Campervan oder doch mit dem Auto durch Neuseeland? Wir haben uns für das Auto entschieden und waren super glücklich darüber. Nicht nur, dass wir tausende Euros gespart haben, sondern auch dass wir die kurvigen, steilen Straßen einfacher meistern konnte. Also mit dem Auto durch Neuseeland, dass war es für uns.

Auch Seelöwen relaxen am Strand in Neuseeland
Auch Seelöwen relaxen am Strand in Neuseeland, Foto: Timo

Weiter weg geht echt nicht – mit dem Auto durch Neuseeland

Wer kennt ihn nicht – Frodo Beutlin und den einen Ring? Aber wer kennt schon die atemberaubende Landschaft, durch die der Herr der Ringe mit seinen Gefährten zieht. Wir haben uns aufgemacht um herauszufinden was das von Deutschland am weitesten entfernten Land – einmal diagonal durch den Globus – für Reisende bereithält. Neuseeland, schon immer ein Traum gewesen und jetzt auf einmal so nahe. Und jetzt auch noch mit dem Auto durch Neuseeland.

Von A nach B, aber wie?

Nach unzähligen Rucksackreisen quer durch Asien entscheiden wir – Karin und ich, Timo – uns den Rucksack über Board zu werfen und uns einmal einem neuen Fortbewegungsmittel zu bedienen, dem Auto. Das soll der Anfang sein von einer Liebe zum Auto und später zum Wohnmobil reisen, aber dazu in späteren Einträgen mehr.
Erst einmal landen und zu sehr netten Couchsurfern in Christchurch auf das Sofa. Der erste Abend verfliegt und obwohl wir beide platt sind, ist an schlafen auf Grund des Jetlags nicht annähernd zu denken. Egal! Wer braucht schon Schlaf, wenn Abenteuer vor der Tür stehen. Die Sonne geht auf und nichts wie los, wir brauchen einen fahrbaren Untersatz für die kommenden zwei Monate. Bei sonnigem Wetter drehen wir unsere Runden durch die Gewerbegebiete und klappern Autohändler ab. Und wie es so manchmal läuft im Leben, dummer Zufall und zack da stand er, der Suzuki Cultus als Station Wagen. Genug Platz um mit einer Luftmatratze im Kofferraum zu schlafen und günstig genug, dass wir uns als Studenten das gute Schätzchen für eine Probefahrt ausleihen. Zurück, alles super. Cool, dass erste Auto im Ausland wird gekauft. Auch wenn viele Zweifel da sind, sind wir doch beide keine Automechaniker und haben wir beide keinerlei Ahnung, ob das Auto wirklich hält. Und es muss halten, schließlich wollen wir mit dem Auto durch Neuseeland. Zum nächsten Pack’n’Save (wirklich der günstigste Supermarkt in NZ) und Vorräte aufstocken bevor es endlich los geht, zwei Monate Neuseeland wir können es immer noch nicht fassen.

Sandflies – ein größeres Arschloch als unsere Mücke

Klar, keiner ist Mücken Fan aber soooo schlimm sind die Biester auch schon wieder nicht, zumindest dachten wir das nach ein paar Tagen campen noch. Mit dem Auto durch Neuseeland bedeutet auch, dass man abends nicht in ein Hotelzimmer geht, was Mückenschutz hat. Es heißt – zumindest für uns – drauzzen sein, Natur, Sonnenuntergänge, auf dem Rasen sitzen, Ruhe. Und damit kommen auch die Sandflies. In Neuseeland gibt es so genannte Sandflies – kleine mückenähnliche Insekten, die beißen – in Schwärmen. An manchen Plätzen bleibt uns nichts anderes übrig als im Auto zu bleiben und nur im Notfall sich schnell rennend draußen zu bewegen. Und selbst dabei handelt sich man mal schnell 30 Stiche ein. Vielleicht ist es nur das Gebiet, in dem wir sind? Wer weiß. Das Gute ist, wenn wir schon mit dem Auto durch Neuseeland ziehen, können wir auch schnell mal den Ort wechseln. Gesagt, getan. Aber auch am nächsten Ort verfolgen uns die kleinen Biester. An einem Abend ist es so schlimm, dass ich ganz rot zerstochene Beine habe und man die Stellen, wo keine Stiche sind, eher suchen muss. In den ersten Tagen habe ich noch die Hoffnung, dass die Stiche kaum Verweildauer haben. Schließlich sind Sandflies ein gutes Stück kleiner als die mir so bekannte Mücke. Aber nichts da! Bekommst du einen Stich, hast du noch tagelang damit zu tun. Jucken und Kratzen, ab jetzt ein ständiger Begleiter. Doch eines Abends kommt die Lösung. Wir sitzen auf unserer Decke vor dem Auto, es sind nur einige, wenige Sandflies da. Neben uns hält ein älteres Wohnmobil, aus dem ein älteres Pärchen aussteigt. Nach einem ersten Small-Talk kommen wir irgendwann auf die Sandflies zu sprechen. Beide fragen uns erstaunt „Ihr fahrt mit dem Auto durch Neuseeland und wisst noch nichts von DEET“? Wir lassen uns aufklären. Eine chemische Substanz, die in Sprays enthalten ist und die Sandflies tatsächlich gut abhält.

Sandflies bekämpfen mit Chemie?

Also, wenn man mit dem Auto durch Neuseeland reist, sollte man sich vorher über das Thema Sandflies Gedanken machen. Es gibt unzählige Tipps im Internet, wie lange Kleidung, Wind hilft, Anti-Mücken-Spray, viel Bewegen und noch vieles mehr. Wer kein Problem mit chemischen Produkten hat, kann auf Sprays mit DEET zurückgreifen – man achte aber auf Haut und Schleimhäute und lutscht am besten danach nicht seine Finger ab, das schmeckt nämlich wirklich ekelig. Eine weitere Möglichkeit, sind die Berge, da Sandflies dort nicht zu finden sind. Und wenn man schonmal mit dem Auto durch Neuseeland kurvt, dann kann man auch die Flexibilität nutzen. Wir beschließen in die Berge zu fahren, um den Biestern zu entgehen und ein paar ruhigere Abende vor dem Auto zu verbringen, ohne viel Rennen, Umherschlagen oder Einsprühen.

Lake Tekapo und der Avalanche Trek am Arthurs Pass

Unser Weg führt vorbei am Lake Tekapo, einer riesigen türkis-blauen Lagune, umgeben von schneebedeckten Bergen. Es ist einfach kaum zu glauben wie schön es hier ist. Wir wandern durch Schaafsherden und genießen die Ruhe an diesem unbeschreiblichen Ort. Nach ein paar Tagen geht es weiter über den Arthur Pass. Wir entscheiden uns am frühen Morgen den Avalanche Trek zu erklimmen, um die Aussicht zu genießen. Leichter gesagt als getan. Über Geröll und Schutt geht es auf schwindelerregenden Pfaden den Berg hinauf. Es fängt leicht an zu regnen und alles wird glitschig und das Laufen wird schwerer. Oben angekommen stellt sich jedoch sehr schnell heraus, dass es den Weg wert war. Nicht nur die Aussicht über ringsherum schneebedeckte Berge belohnt uns, sondern auch zwei Berg-Papageien (Titelbild) gesellen sich zu uns und sorgen für den perfekten Farbkleks in dieser so unwirklichen Gegend.

Gummi Geruch und starke Steigung – da stimmt doch was nicht!

Neuseeland ist bergig, windig und kurvenreich und wir fahren mit dem Auto mitten hindurch, klar das da das Ross auch mal einen schlechten Tag hat. Am nächsten Tag geht es weiter bzw. es sollte weiter gehen. Am zweiten Berg an diesem Tag wird die Steigung enorm. Mehrere Notfallbuchten für LKWs lassen wir links liegen und kämpfen uns weiter den Berg hoch. Doch irgendwann fängt es an so stark nach Gummi zu riechen und unsere Geschwindigkeit erinnert eher an eine Bobbycar-Tour, als an ein normales Auto, dass wir anhalten müssen. Doch das war eine dumme Entscheidung. Als wir wieder einsteigen, resigniert das Auto. Die Steigung ist zu stark. Da gibt es nur eine Option. Zurückrollen lassen bis zur nächsten geraderen Stelle und dann mit Anlauf den Berg hoch. In der Theorie so schön gedacht, ist es doch was anderes in der Praxis. Nach sechs Versuchen, einem nassgeschwitzten Rücken, viel Winken und Rudern von Karin und viel Schweißangst von uns beiden, sind wir oben. Kaum zu fassen, und wir überlegen uns ein richtiges Wohnmobil zu holen, wie sollen wir dann solche Berge hochkommen? Mit einem Hochgefühl im Bauch geht es ab in’s Tal Richtung Westküste. Mit dem Auto durch Neuseeland, was ein Abenteuer.

Nordinsel – auf geht‘s zum Schicksalsberg

Der Tongariro Nationalpark ist wohl einer der bekanntesten Nationalparks in Neuseeland. Dieser beinhaltet den Berg, in den Frodo seinen Ring schmeißt. Wiedererkennungswert vor Ort – gleich null. Aber trotzdem, die Gegend sieht einfach großartig aus. Eine sich weitstreckende Vulkanlandschaft, Schwefelgeschwader und Stein-Geröll. Wir starten noch vor dem Sonnenaufgang, um die Touristenmassen hinter uns zu lassen. Am Schicksalsberg vorbei kommen wir an drei kleine Seen mit kunterbunten Farben. Alles riecht nach faulen Eiern – der Schwefel um uns herum. Wir bestaunen die Gegend und genießen die Ruhe. So fühlt sich drauzzen wirklich an. Als wir den Rückweg antreten kommen uns die Touristenmassen entgegen. Alles richtig gemacht. Das Auto holen und erst einmal Kaffee machen.

Der Schicksalsberg
Der Schicksalsberg, Foto: Timo
Schwefelbecken
Schwefelbecken, Foto: Timo

90 Milen Strand – Geht noch mehr?

Eine Woche später erreichen wir die nördlichste Halbinsel von Neuseeland. Hier erstreckt sich über unfassbare 90 Milen ein Strandgebiet, was ein bisschen wie eine Mini-Sahara mit anschließendem Meer aussieht. Extrem hohe Dünen laden zum Sandskiing ein und bieten einen Ausblick auf ein surreales Terrain. Doch auch wenn die Freude über das Gebiet groß ist, gilt es erst einmal die Karre wieder aus dem Sand zu bekommen, denn da steckten wir ziemlich tief drin. Auf dem Weg zum ersten Übernachtungsort verschätzten wir uns mit der Tiefe des Sandes und bekamen direkt die Quittung. Also heißt es, raus aus dem Auto ran an’s Buddeln. Ich drücke und schiebe während Karin versucht das Auto aus der ausweglosen Situation zu manövrieren. Dabei fahren wir doch mit dem Auto durch Neuseeland und nicht durch die Sahara. Geschafft, getan. Auf geht’s in neue Abenteuer an Neuseelands längstem Strand.

Sandskiing am 90 Miles Beach
Sandskiing am 90 Miles Beach, Foto: Timo

Auto oder doch wieder Rucksack?

Nach zwei Monaten im Suzuki verkaufen wir das Gefährt schweren Herzens an einen deutschen, 18-jährigen Touristen und machen uns auf den Weg nach Auckland, um nach Hause zu fliegen. Wir fahren also nicht weiter, aber das Auto fährt weiter durch Neuseeland.
Nun gilt es die Frage zu stellen: Zurück zum Rucksack oder ein Gefährt kaufen und damit weiterreisen? Wir entscheiden uns für die zweite Option. Ein Wohnmobil soll her, flexibel soll es sein, keine Wartezeiten an Bus-/Bahnhöfen mehr. Mehr drauzzen sein, keine Hotels, nah an den Menschen. Nichts leichter als das, dachten wir, bis wir uns in den Dschungel der Wohnmobile aufmachten. Sollte es ein Bus, wie der von Daniela (VW LT 28) werden oder doch eher ein Hymer mit Allrad?
Letztendlich entschieden wir uns für einen Fiat Ducato mit einem Dethleffs Aufbau. Es fühlt sich ein bisschen an wie vom Rucksacktouristen zum Oma-und-Opa-Wohnmobil, aber für drauzzen gibt es nichts besseres. Das gute WoMo wird aktuell umgebaut, aufgestockt, angesprayed und vieles mehr bevor es sich mit uns drin auf den Weg über Südeuropa, Kaukasus, Iran, Zentral Asien bis zur Mongolei bewegt. Wenn ihr Bock habt ein paar Stories über die Tour, die Länder, das Auto auf schlechteren Straßen und vieles mehr zu erfahren, freuen wir uns, wenn ihr aktiv auf drauzzen seid und uns und unsere Reise verfolgt.

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