Erst Huhn dann Ei oder doch andersrum

Nepal! Für uns stand das Ziel schon fest, bevor wir auf die Suche nach dem passenden Camper gingen. Wir wollten eine Auszeit nehmen und hatten ursprünglich alles darauf ausgelegt, mit Rucksack auf Frachtschiffen und Flugzeugen auf Reisen zu gehen. 

Wären wir eines morgens auf dem Weg zur Arbeit nicht zufällig an einem unglaublich schönen VW T1 vorbei gefahren, wären wir sicher auch bei der Rucksack-Variante geblieben. Es waren keine sechs Monate mehr, bis wir eigentlich aufbrechen wollten. 

Rucksack oder Rollin’ Casa

Was soll ich sagen? Es gab eben diesen traumhaft schönen Bulli und mich packte dieser kleine Wink des Schicksals (man kann sich ja bestens viel einbilden, wenn es sein muss). Irgendwann gegen Mittag schickte ich Micha eine SMS, was er denn davon hielte, wenn wir statt Rucksack mit einem Bulli auf Tour gehen würden??? 

Da liegt kein Ozean dazwischen, da kann man hinfahren

Um das Ganze abzukürzen: nach einem prüfenden Blick abends auf unsere Weltkarte an der Wohnzimmerwand war die Entscheidung und somit auch das Ziel gesetzt: wir wollen mit einem VW Bus nach NEPAL fahren.

Suche und du werdest finden…

Nachdem wir etliche T3 besichtigt hatten, die entweder in einem katastrophalen Zustand oder für uns schlichtweg unerschwinglich waren, war ich schon kurz vor einer emotionalen Entgleisung. Ein T4 kam für mich nicht in Frage, ein Bulli muss runde Äugleins haben! Wir mussten die Suche etwas anpassen, so wäre es nichts geworden. 

Dann stand er da: ein VW LT 28 Westfalia Sven Hedin, BJ 1983. Ein Klotz auf vier Rädern mit runden Augen und im klassischen 80’s Style alles in Braun-Beige gehalten. Liebe auf den ersten Blick. Eine kurze Probefahrt und wir waren uns sicher, diese Seele von einem Fahrzeug würde mit uns auf Reisen gehen. 

Blauer LT 28 Westfalia Sven Hedin
Blauer LT 28 Westfalia Sven Hedin © Daniela

Ein hellblauer Blümchen-Bomber

In den folgenden Wochen waren wir neben dem normalen Arbeitsalltag mit Sveni (unser VW LT 28 Wohnmobil) vollauf beschäftigt, er sollte schließlich zu unserem rollenden Zuhause werden und etwas TLC hatte er sich schon auch verdient. In einer LKW-Werkstatt wurde er einmal auf links gedreht und im Anschluss durften wir in deren Halle Sveni eine neue Farbe verpassen. Er wurde von uns in einem hellen Blau gerollt und im Anschluss gab es eine Ladung Pril-Blumen ringsum. Die Schränke innen wurden von dem etwas in die Jahre gekommenen Dunkelbraun und Beige durch ein dunkles Pink und zartes Rosa abgelöst, dazu ein hellblauer Himmel mit Leuchtesternen. 

Da wir u.a. durch den Iran und Pakistan fahren würden, war es uns irgendwie wichtig, dass Sveni auf den ersten Blick einen freundlichen Eindruck macht und nicht als vermeintliche Bedrohung wahrgenommen würde. Soviel vorweg: die Taktik ging auf, denn wir hatten noch nie und haben seitdem auch nie wieder so vielen Fremden zurück gewunken, wie auf unserer Tour. Alle fanden Sveni toll (zumindest wir und der Rest machte irgendwie den Anschein).

Solar auf dem Dach, eine auf den Fahrradträger genietete Alubox mit Ersatzkanistern und ein an die Leiter geschweisster Ersatzradhalter rundeten die Modifikationen an Sveni ab.

Schicksal – sag ich’s doch

Über die Gewichtigkeit unserer schicksalhaften Begegnung mit dem T1 und der darauf erfolgten Entscheidung mit Sveni auf Tour zu gehen, kann man jetzt vermutlich streiten – es wäre sicher auch mit der ursprünglichen Variante gegangen – aber Anfang Oktober bekam ich die Diagnose Zöliakie und das hat einen riesigen Einfluss auf deinen Alltag und schafft auf einen Schlag ganz neue Herausforderungen in Sachen Verpflegung, denn der entspannte, spontane Gang zum Bäcker oder in ein Restaurant funktioniert so nicht mehr. In Sveni hatten wir ausreichend Platz, um entsprechende Lebensmittel einzupacken und mitzunehmen. Schicksal, hab ich’s nicht gesagt!?

Routenplanung

Unsere Tour sollte im Januar 2009 starten. Wir verbrachten etliche Abende online in Reiseforen, durchstöberten Reiseführer und Strassenkarten, um unsere Route wenigstens grob festzulegen.  Vor den Strecken durch den Iran und Pakistan hatten wir wirklich größten Respekt. In den Nachrichten hörst du ja immer nur Negatives. Aber: die Internet-Recherchen in den einschlägigen Overlander-Foren bestärkten uns darin, dass es auf jeden Fall machbar ist. 

Just follow some simple rules: never drive at night, don’t stop at road blocks if you are not absolutely convinced it is the Police, follow your guts. Für uns haben diese Goldenen Regeln für Overlander (oder vermutlich Reisende im Allgemeinen) perfekt funktioniert.

Österreich, Ungarn, Bulgarien, Türkei, Iran, Pakistan, Indien und dann ab nach Nepal: das waren die Länder, die wir auf unserer Tour mitnehmen wollten. 

Bissel Orga-Kram gibt es dann auch noch zu erledigen

Für die ausgedachte Route muss vorab leider etwas Bürokratie erledigt werden: für uns mussten wir vor Reisebeginn Visa für den Iran, Pakistan und Indien beantragen, für Sveni brauchten wir ab dem Iran ein Carnet de Passages, welches wir über den ADAC organisierten. 

Wie eben schon erwähnt, hatten wir vor unserer Fahrt durch den Iran und Pakistan ordentlich Respekt und entschieden, dass wir diese beiden Länder quasi auf direktem Weg durchqueren würden und somit “nur” Transit-Visa beantragten. 

Ansonsten kümmerten wir uns noch um eine passenden Auslands-KV, die auch einen längeren Zeitraum also nur die 2-3 Wochen Pauschalurlaub am Stück abdecken würde. Fündig wurden wir damals bei STA Travel, inzwischen gibt es aber sicher noch um ein vielfaches mehr an Optionen. 

Zugang zu unserem Geld organisierten wir mit passendem Konto, das eine entsprechende Kreditkarte beinhaltete, die uns weltweit kostenlos Bargeld abheben lies. Zu viel Bargeld wollten wir nicht im Fahrzeug dabei haben.

Unsere Fix-Kosten, die nichts mit der Reise zu tun hatten, versuchten wir auf ein absolutes Minimum zu reduzieren und stundeten z.B. einige Versicherungen, die Mietwohnung hatten wir gekündigt und alle Möbel verkauft; im Keller der Wohnung meines ältesten Bruders stand “our life in boxes”: alles, was wir noch besassen, das aber nicht mit auf Reise gehen sollte. Wir wollten theoretisch so lange unterwegs sein können, wie wir wollten und nicht von irgendwelchen Vorgaben/Faktoren abhängig sein. 

Let’s get the party started

Kurz nicht aufgepasst und schon wird es Zeit, sich von allen Lieben zu verabschieden. Ca. zwei Wochen, bevor wir starten wollten, luden wir engste Familie und Freunde zu einer kleinen Farewell-Party in der ersten Januar-Woche 2009 ein. Emotionen – olé!!! Wir waren so voller Vorfreude und Aufregung, Tränen flossen trotzdem. Wer trennt sich schon gern von lieben Menschen!? 

Danach wurde es noch etwas hektisch und es gab etwas Hin&Her mit dem ADAC, da das Carnet für Sveni nicht ganz korrekt ausgestellt war und es aber auf dem postalischen Weg nicht mehr rechtzeitig ankommen würde bis zu unserer Abreise nach Nepal. So mussten wir auf jeden Fall noch einen kurzem Stop in München beim ADAC einplanen, um das Carnet auszutauschen – quasi on the fly.

Bis spät in die Nacht am Vorabend unserer Abreise waren wir mit Ein-/Um-/Wegräumen beschäftigt. Um irgendwie sentimental, emotional oder gar euphorisch zu werden, war keine Zeit und zu dem Zeitpunkt auch keine Energie da. Irgendwie hatten wir uns das anders vorgestellt. 

Dann war es soweit – Nepal …

“I can’t believe we’re doing it!!!” Vielleicht kennt der ein oder andere die Doku “Long way round” mit Charley Boorman und Ewan McGregor!? (wenn nicht, unbedingt mal anschauen: Fernweh garantiert!!!) Genau mit diesen Worten von Ewan McGregor sind die beiden 2004 mit ihren Motorrädern in London gestartet, um einmal um die Welt zu fahren. Am Montag, den 19. Januar 2009 müsste das ungefähr unsere Gedanken auf den Punkt bringen. Auf den Tag genau 38 Monate nach unserem ersten Date (das so eigentlich gar keines war/hätte sein sollen) und mit überhaupt keiner Erfahrung in Sachen Camping rollten wir zwei mit unserem Sveni los: unser erster Camper-trip! Overlanding to Nepal!!!

Nepal
Nepal © Daniela

9 Kommentare

  1. Ich bin gerührt, nicht geschüttelt …
    Was für ein cooler Start, liebe Daniela. Das schreit gerade zu nach einer Fortsetzung. Was meint ihr?
    Liebe Grüße, René

  2. Dass ihr beiden viel unterwegs seid, hab ich ja schon immer gelesen. Aber dass ihr nach Nepal fahrt7 gefahren seid ist ja der Hammer. Hätte nie gedacht, das Michael solch ein „Travelmaker“ ist.

    LG Mirko

  3. Mirko, liegt alles an meinem durch und durch positiven Einfluss auf Micha 🙂 🙂 🙂
    Oder auch: nach unserer Hochzeit hatte er gar keine andere Chance als mitzukommen…stand quasi im Kleingedruckten!
    LG, Daniela

  4. Hi Marc,
    freut mich, dass es gefällt 🙂
    Die nächste Folge ist gerade in Arbeit, sollte nicht allzu lange auf sich warten lassen!
    Viele Grüsse, Daniela

  5. Hey!

    Just wondering what kind of box you have in the first photo on top of your Sven? Is it heavy? I’m looking for something similar but can only find terribly heavy military boxes >.<

    Thanks !

  6. Hi Danny,

    The box on top of Sveni was from Zarges, it was Aluminum. They do boxes in pretty much all sizes and shapes.
    If I remember exactly, we bought the box 2nd hand.
    What kind of camper do you have? You also want the box on the roof?

    Take care, Daniela

  7. Hey,

    Thanks for getting back.

    I also have a Sven, from 78’ 🙂 We’re restoring it right now and setting it up to be a our little off-grid home on wheels. Pretty excited to finish it!

    I’m looking for a storage box for the roof, along the lines of what you have there. Aluminium is the way to go!much better than the heavy military style boxes or aerodynamic shaped standard ones. I’ll check out Zarges and see if I can find one.

    Look forward to reading some more through your blog 🙏

  8. Oh how exciting, Danny!
    A Sven Hedin from 1978!? Best „construction year“ – I’m speaking from experience 😀
    Would love to see pictures once you’re done with the restoring!!!

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