Was ist denn überhaupt eine Solartasche?

Ehrlich gesagt komme ich mit dem Namen „Solartasche“ auch noch nicht so ganz klar. Aber er scheint sich wohl durchgesetzt zu haben. So glaube ich, dass ich so viel gar nicht mehr erklären muss … 😉 Auf jeden Fall ist die Solartasche eine „Mobile Solaranlage“. Solarpanele, die in Stoff gefasst, überall aufgestellt werden können. Am Strand, in der Wüste, auf dem Wohnmobil-Dach, hinter der Frontschutzscheibe, auf der Terasse und was weiß ich wo …

Worin liegen denn die Vorteile einer solchen Solartasche?

Ich mach das mal in Stichpunkten – so bleibt’s übersichtlich.

  • Sie ist in einer halben Stunde „installiert“ – dazu weiter unten mehr …
  • Man kann sie stets in Richtung Sonne ausrichten, um so einen besseren Wirkungskreis zu erzielen.
  • Sie verbleibt nicht am Fahrzeug. Kann also bei Veräußerung mit genommen werden.
  • Strom genau da, wann und wo man/n ihn braucht.

Und Nachteil hat die Solartasche auch?

Na auf jeden Fall. Wo Licht ist, ist auch Strom oder eben auch Schatten. Hier schnell die Nachteile aus meiner Sicht.

  • Im Vergleich zur fest verbauten Anlage etwas teurer. Was ich aber schon beim zweiten Wohnmobil relativiert …
  • Sie könnte recht leicht geklaut werden. Also setz‘ dich mit nem Bier daneben!
  • Der Wind könnte sie spazieren tragen. Also echt recht starker Wind. Mach‘ sie bitte fest!
  • Regen schadet ihr. Wobei der Ertrag bei Regen ja auch relativ ist.

Und warum habe ich denn nun eine mobile Solartasche?

Das ist mit wenigen Worten erklärt bzw. gesagt. Am besten auch wieder in Form von Stichpunkten … 😉

  1. Weil man/n technikaffin ist und irgendwie alles haben muß. Na und? Besser haben als brauchen … 😉
  2. Mein Hymer Smart-Batterie-System habe ich ja hier und da schon gefeiert. Für meine Nutzung reicht der Strom aus dem Lithium-/AGM-Powerpaket. Sprich, in 1,5 Jahren trat noch nicht 1x der Fall ein, dass zu wenig Saft in den Zellen steckte. So habe ich nun mit der Solartasche eine grundsolide Reserve für den Ernstfall … 🙂 Für den Lockdown an ein und der selben Stelle.
  3. Ich bastle ja echt gern. Und normalerweise bekommen meine Wohnmobile SOFORT eine fest verbaute Solaranlage. Beim Hymer Grand Canyon S war das sogar Pflicht. Allein, weil sich der Kühlschrank im Laufe des (sonnigen) Tages eine Ladung 95 AH-AGM-Batterie gegönnt hat. Aber auf genau diese Bastelei hatte ich beim Hymer ML-T eben keinen Bock. So bleibt Zeit für die ganzen anderen Basteleien … 😉

Und was muss ich bei der Installation der Solartasche beachten?

Mensch, wird wieder lang, René?
Naja, genau soll’s schon sein.
Also ganz genau?
Nein, eben nur so genau, wie ich es verstehe. Bin doch kein Elektroniker …

Also. Die Solartasche „plug & play“ in die Steckdose vom Zigarettenanzünder und fertig! Genau das wär’s. Ab halt – so geht es NICHT! Der Strom muss geregelt werden. Also genauer gesagt, zu viel Strom. Sonst wird’s richtig heiß. Gegebenenfalls so heiß, dass die Feuerwehr anrücken muss. Ja – Spielzeug ist die Solartasche keins. Mein Elektriker sagte immer, Strom macht klein und häßlich. Weiß ich jetzt auch nicht …

Auf jeden Fall muss zwischen Solartasche und Batterie ein Laderegler. Hier gibt es satte Unterschiede und die Geister scheiden sich da auch. Ich halte es bei Sachen, wo ich NULL Plan habe, immer so, dass ich aus der grundsoliden Reihe kaufe. Klar, ich könnte hier einen auf dick machen und mir Wissen aus dem Netz saugen, um es hier frisch aufbereitet zu präsentieren. Genau dafür bin ich wohl zu alt … 😉
Meiner folgenden Einkaufsliste könnt ihr entnehmen, welcher Laderegler bei mir seinen Dienst verrichtet.

Der Laderegler und dessen Anschluss.

Zu Kabellängen und Querschnitten könnt ihr euch hier kurz einlesen. Grundsätzlich sei gesagt, dass das Kabel kein Klingeldraht sein sollte, also Litze stark genug. Ich glaube, wer hier nicht weiter weiß, sollte das machen lassen. Bitte.

Ansonsten die Anschlüsse von der Solartasche an den Eingang des Ladereglers und den Ausgang des Reglers an die Batterie oder, so vorgesehen, direkt an das EBL. Beim Hymer ML-T und Grand Canyon S geht es per Adapterkabel direkt an Schaudt EBL. Das hat den Vorteil, dass die Starterbatterie auch einen Erhaltungsladestrom bekommt. Das aber erst, wenn die Aufbaubatterien geladen sind. Mein ich mich zu erinnern. Bitte korrigiert mich hier gern.

Ab hier Werbung.

Welche Solartasche habe ich gekauft?

Eingelesen hatte ich mich auf das Produkt von Wattstunde* bzw. Offgridtec*. Nachdem ich dann gesehen habe, dass Tigerexped* auch ein Produkt im Markt hat, war klar, dass ich die Solartasche auch dort beziehe. Ok, wenn man genauer hinschaut könnte man „Ähnlichkeiten“ zwischen den Produkten findet. NICHT aber beim Service. Wer bei Tigerexped 1x mit dem Kundenservice telefoniert hat, weiß was ich meine. In Sachen Service schafft sich Deutschland gerade echt ab. Hier und da ein Kraus. Echt. Leider. Aber darauf will ich hier nicht eingehen. Gibt bei Tigerexped auch keinen Grund. 1A Service, den ich vom Einbau meiner Autoterm Air (hier gibt es in Kürze übrigens ein neues Bedienteil – hab‘ ich munkeln gehört … ;)) bestens in Erinnerung habe.

Die Solartaschen von Tigerexped heißen „Tiger2Solar“ … 

Und es gibt aktuell zwei Ausführungen. Beide (Bilder in der Galerie oben) konnte ich miteinander vergleichen.

Version eins: „tiger2solar Solartasche 120Wp „tiny tiger 120“ mit Kabelsatz (ETFE-Oberfläche, 3x40W Sunpower), Laderegler optional„*
Hier die technischen Daten (Quelle: Tigerexped)

Max. Leistung (P max)120 W
Leerlaufspannung (V oc)24,6 V
Kurzschlussstrom (I sc)6,32 A
MPP-Spannung (V mpp)20,9 V
MPP-Strom (I mpp)5,97 A
Max. Systemspannung25 V
Gewicht2,7 kg
Größe gefaltet560 x 440 x 20 mm
Größe aufgeklappt1525 x 560 x 4 mm
ZelltechnologieSunpower Maxeon Gen. III
GüteklasseUltra High Performance
Zell-Wirkungsgrad22,14 %

technische Daten angegeben bei STC (standard test conditions) mit 25°C Umgebungstemperatur, 1000 W/m² Bestrahlungsstärke und einem AM-Faktor von 1,5.

Version zwei: „tiger2solar Solartasche 120Wp „tiny tiger 120/USB“ mit 2xUSB und Kabelsatz (ETFE-Oberfläche, 4x30W Sunpower), Laderegler optional„*
Auch hier die technischen Daten (Quelle Tigerexped):

Max. Leistung (P max)120 W
Leerlaufspannung (V oc) 25,2 V
Kurzschlussstrom (I sc)6,17 A
MPP-Spannung (V mpp) 21 V
MPP-Strom (I mpp)5,71 A
Max. Systemspannung100 V
Gewicht4,8 kg
Größe gefaltet625 x 375 x 45 mm
Größe aufgeklappt1350 x 625 x 23 mm
ZelltechnologieSunpower Maxeon Gen. III
GüteklasseUltra Premium Performance
Zell-Wirkungsgrad23,36 %
Max. Ladestrom (USB)2 x 2 A

technische Daten angegeben bei STC (standard test conditions) mit 25°C Umgebungstemperatur, 1000 W/m² Bestrahlungsstärke und einem AM-Faktor von 1,5.

Tiger2Solar im Vergleich …
Tiger2Solar im Vergleich …

Und der Unterschied?

Aus meiner Sicht gibt es folgende, wichtige Unterschiede.

  • Version 01 ist leichter und kleiner
  • die Version 02 hat reichlich 1% mehr Wirkungsgrad
  • Version 02 hat USB-Steckdosen zum direkten Anschluss von Verbrauchern bereits verbaut
  • eine zusätzliche Schutzhülle/-tasche bei Version 02

Ich habe mich für Version 01 entschieden! Die rein mechanische/haptische Qualität beider Produkte hat mich echt begeistert. Scheint super solide. Gerüche konnte ich kaum feststellen. Die Faltsolartasche kann auf den Boden gestellt und mittels Erdnägel fixiert werden. Alternativ hat sie umlaufend einige Ösen, so könnte ich sie auch hinten an den Leiter hängen oder ganz einfach flach auf das Dach legen  …

Warum Version 01?
Sie ist kleiner, leichter (Beide Versionen passen übrigens hervorragend in den Gaskasten des ML-T, was leider verboten ist … ;)) und auch etwas günstiger. Und da es ja nur eine Reserve ist, werde ich die etwas geringere Leistung wohl nicht spüren, den USB-Anschluss brauche ich nicht.

Meine Einkaufsliste bei Tigerexped und Amazon …

Für den Solarregler von Victron habe ich mich entschieden, weil ich ihn per Bluetooth und App auslesen kann. Sprich jederzeit den entsprechenden Ertrag (auch kumuliert) auslesen kann. Ich liebe es, Daten zu sammeln. Also immer wenn es irgendwie geht. Warum? Keine Ahnung … 😉

Der Ertrag der Solartasche kann direkt in der App von Victron abgelesen werden …
Der Ertrag der Solartasche kann direkt in der App von Victron abgelesen werden …

Nun noch schnell der Einbau im Hymer ML-T

Echt keine Hexerei. Den Regler habe ich links neben den Schaudt EBL (Serviceklappe an der Fahrerseite) geschraubt. Vom beiliegenden Kabelsatz der Solartasche habe ich das Kabel mit dem KFZ-Stecker genommen. Der hat eine Sicherung verbaut. Wichtig! Den Stecker habe ich beherzt abgeschnitten und die Kabel direkt in den Laderegler geklemmt. So habe ich auch gleich eine Steckverbindung (das andere Kabelende hat eine angegossene Steckverbindung) vom Regler zur Solartasche. Das Verbindungskabel, von der Tasche zum Regler, führt durch die leicht angelehnte Serviceklappe und gut. Vielleicht rüste ich (so ich es öfter verwende noch eine Steckverbindung am Boden des MLT nach. So das die Klappe auch ganz geschlossen werden kann.

Den Rest erklären wohl die Bilder. Bei Fragen fragt gern!

Mensch … Wieder ein Gewaltakt. In der Hoffnung, dass euch beim Lesen ein Licht aufgeht … 😉
Hinweise und Anregungen immer gern per Kommentar.

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6 Kommentare

  1. Ich habe auf dem Dach zwar 460 Watt Solar, habe mir diesem Sommer trotzdem eine 200 Watt Solartasche gegönnt. Den vorhanden Solarregler hatte ich vorsorglich bei der Montage der Solarplatten auf dem Dach größer gewählt. Wusste ich doch, dass ich als Technik verliebter irgendwann eine Solartasche kaufe. So war es dann auch um genug Strom zu haben. Da wir zwei E-Scooter in der Heckgarage mitführen, wollte ich genug Strom haben, um die Dinger zu laden.
    Das Kabel der Solartasche ist fest am Solarregler angeschlossen. Brauche ich die Tasche, wird das Kabel aus dem kleinen Fach neben dem EBL geholt und an der Solartasche angesteckt.

  2. Wow. I’m Idealfall gehst du mit 660 Watt zur Sache … Das nenne ich mal richtig Power!!! Das mit der Technikverliebtheit ist mir nicht ganz unbekannt … 🙂 Aus Fotoshootings steht bei mir auch noch ein Honda-Inverter, sollte es mal trüb sein. 🙂 Man/n ist vorbereitet. Aber sowas von. 🙂

  3. Mal wieder ein interessanter Beitrag, René !

    Genau mit diesem Thema beschäftigen wir uns auch schon seit einiger Zeit. Es dauert ja noch ca. 8 Monate, bis unser GCS geliefert wird 🙁 ….also genug Zeit für Planungen…

    Fest verbaut bietet Hymer ja nix an und zudem haben wir das Schlafdach geordert, das würde es vermutlich eh schwierig(er) machen.

    Technisch absoluter Laie…2 linke Hände, wenn überhaupt welche…jedenfalls beim Thema Auto/Womo.

    Aber wie bei so vielen anderen Themen wird einem hier auch sicher wieder hervorragend weitergeholfen.

    Gruß & Dank

    Tom

  4. Hallo Renè,
    jetzt sehe ich ja noch ein Sandblech, keinen Bullenfänger mehr und eine Höherlegung an Deinem MLT ? Kommt da eventuell doch noch ein kleiner Hinweis von Dir?
    Beste Grüße
    Wolfgang

  5. Hi Tom. Danke für dein Feedback! Ja, beim Aufstelldach wird es „etwas“ komplizierter. Geht aber mit „fetteren“ Dämpfern auch. Also die feste Installation. Viele Grüße, René

  6. Mensch Wolfgang. Astrein beobachtet! 🙂 Die kleinen „Hinweise“ folgen. Gehen wir doch jetzt „leider“ in eine ruhigere Zeit. Da bleibt genug Zeit für Plaudereien in Sachen Sprinter-Technik 🙂 Viele Grüße, René

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